Menschenverschmutzung Schornsteine Regierung

 

 

Menschenverschmutzung

 

Für manche Menschen sind andere Menschen nur Umwelt.

Der Umweltverschmutzung treten die Menschen, Unternehmen, ja selbst Regierungen heute engagiert entgegen. Es ist erkannt, daß Umweltverschmutzung viel mehr schadet, als man noch vor Jahrzehnten oder gar vor hundert Jahren gemeinhin annahm. Mit ungeheuren Ausgaben und unzähligen Vorschriften suchen die etatistischen Gesellschaften unserer Zeit einem Problem Herr zu werden, welches sie selber schufen. Statt Umweltverschmutzung zu vermeiden, suchen sie diese zu regeln. Nicht zuletzt die Versteigerung von Verschmutzungsrechten macht klar, daß selbst marktsimulierender Etatismus, basierend auf dem Neoliberalismus eines – sicherlich in vielerlei Hinsicht verdienten – Milton Friedman1, nicht an die Wurzeln des Problems rührt.

Wie konnte es eigentlich dazu kommen, daß Umweltverschmutzung legal wurde? Legal, leider. Denn normal ist das nicht, daß man etwas versaut, was einem nicht einmal gehört. In einer Rückblende schauen wir in das prosperierende 19. Jahrhundert, welches zunächst ein großes Bevölkerungswachstum zeitigte, um dann mit den industriellen Techniken die entstandenen Probleme zu lösen und Wohlstand für die breite Bevölkerung zu schaffen vermochte. Die - inzwischen verstaatlichten - Gerichte2 wurden von den Geschädigten angerufen, als die ersten Schornsteine die Nachbargrundstücke mit ihren ungefilterten Emissionen erheblich störten und beeinträchtigten. Die staatlichen Gerichte erkannten durchaus das Potential der modernen Fabriken und wiesen die Kläger, trotz der offensichtlich unbestreitbaren Eigentumsverletzung ab (und dies erstmalig in der Geschichte der Menschheit). Die Begründung: Die modernen Fabriken dienen dem Gemeinwohl, die Emissionen sind im „öffentlichen Interesse“3.

Dieses „öffentliche Interesse“ begegnet uns heute in einem ähnlichen Zusammenhang bei der Beschulung unserer Kinder. Nicht mehr die eigenen Eltern, sondern zunehmend staatliche Institutionen4erziehen die nachwachsende Generation. Dies erfolgt, so die Bescheide der Schulbehörden, im „öffentlichen Interesse“5. Dabei ist Bildung etwas sehr Intimes, die Auswahl der Bausteine, die ich zu meiner Bildung verbauen möchte, sollten mir nutzen, nicht schaden6. Oft aber hört man als Argument für Schule, daß das Gute an Schule das Schlechte sei7: Die Probleme der Schule befähigen angeblich die Menschen an diesen zu reifen. Daß ein fauler Apfel im Obstkorb die umliegenden Früchte verdirbt, wird verdrängt. Im angelsächsischen kennt man den Ausdruck "a bad apple" sprichwörtlich für schlechten Einfluß. Die selbstgerechten deutschen Weltverbesserer hinken wieder einmal 20 Jahre hinterher. Und: Freiwillig setzt sich niemand Schaden aus. Deshalb greifen die fehlgeleiteten Politiker – wie so häufig – zu Gewalt und Schulzwang8. Bewußt und gezielt werden junge Menschen verschmutzt, es werden Dinge gelehrt, die ihnen schaden, sie sollen – statt ihren ihnen eigenen Weg zu finden – demokratisch über andere bestimmen lernen9. Bestimmung statt Berufung, danach trachtet das etatistische System, welches auf Befehl, nicht auf Markt beruht10; ein System, welches „Volk“, „Mehrheit“ und Partei über die Rechte des Menschen stellt. Sich selbst zu bilden und zu wählen, wie man sich bildet, ist das vornehmste Recht des Menschen, auch das der jungen Heranwachsenden. Auch die Leute des Staates haben kein Recht, ihm dieses Recht zu nehmen und ihn in staatlich verweste Bildungsanstalten zu zwingen, die ihm allzu oft schaden und immer Zeit stehlen.

Zum Schutze vor staatlicher Menschenverschmutzung im angeblich „öffentlichen Interesse“ haben Kinder ihre Eltern. Niemand kann sie so gut schützen und ihnen auf ihrem Weg helfen, wie die eigenen Eltern. Niemand begleitet Kinder so aufwendig und liebevoll wie die eigenen Eltern11. Es gibt Ausnahmen, die publikumswirksam verbreitet werden. Diese liegen aber im Promillebereich12 und immer waren Staatsleute involviert und nutzten nichts. Wer sich die Mühe macht, dies auch nur zu verfolgen, erkennt dies leider leicht.

Es ist verständlich, daß beflissene Politiker die Staatsgewalt zu gebrauchen trachten, um Mißstände zu beseitigen. Sie greifen dabei dann auf ein Instrumentarium zurück, das einzige, welches ihnen zur Verfügung steht – die Staatsgewalt (Bertrand de Jouvenel: Über die Staatsgewalt, 1969) -, welche mehr Schaden anrichtet, als nutzt.13 Dies liegt in der Natur der Sache: Wer den Eltern Verantwortung abnimmt, wird, derart enteignet, verantwortungslose Eltern vorfinden. Wer Familienarmut subventioniert, wird mehr Familienarmut erhalten (Mehr davon ist der Sinn von Subventionen14). Wer Bildung monopolisiert, wird schlechtere Bildung bekommen. Alle diese Gesetzmäßigkeiten sind bekannt15. Sie können auch nicht via Staatsgewalt und bewaffneter Polizei ausgehebelt werden16. Eine Lösung der gegenwärtigen und zunehmenden furchtbaren Menschenverschmutzung wird die Rückbesinnung auf die Subsidiarität sein: eine – so gut wie Menschen möglich - Verwirklichung von Eigenverantwortlichkeit, Kinderliebe, Nächstenliebe und Engagement in der Gemeinschaft. Hier findet jeder seine Berufung.
 

   
          
    1) Milton Friedman: Kapitalismus und Freiheit
2) Murray N. Rothbard: Eine neue Freiheit, S. 222
3) ebenda, S. 248
4) Bettina Kuß: Die Einführung der Schulpflicht als Folge der Institutionalisierung von Schule, Studienarbeit 2005 im Seminar Vergesellschaftung von Erziehung - Schule als Institution, Bergische Universität Wuppertal
5) Eine Vielzahl derart lautender Bescheide aus verschiedenen deutschen Bundesländern liegen dem Autor vor.
6) Lernen und Bildung: Verordneter Pluralismus? bildungsfreiheit.net, 2006
7) So Reinhold Beckmann im Gespräch mit Dagmar und Tilman Neubronner, dazu E-Mail des Autors auf Anfrage. Siehe auch die unzähligen Fälle von Bürokratiegewalt (Altensteig, Bautzen, Bremen, Erlangen, Hamburg, Paderborn, Überlingen und viele weitere), Lehrergewalt, Schülergewalt und Schulmobbing. In der Schule werden Handlungen akzeptiert, oft gutgeheißen, die am Arbeitsplatz oder in der Öffentlichkeit selbstverständlich Strafanzeigen und Schadenersatzforderungen zeitigen.

8) schulzwang.info
9) Siehe z.B. die Anzeige von Amnesty-International in Union 01/2007.
10) Roland Baader: Markt oder Befehl
11) Siehe z.B. Unerzogen-Magazin.
12) Nach Daten der polizeilichen Kriminalstatistik des BKA betrifft grobe Vernachlässigung von Kindern (§ 225 StGB) ungefähr 0,07% der Kinder.

13) Suchte man früher die Staatsgewalt zu beherrschen und zu begrenzen, indem man sich zum Beispiel eine Verfassung gab oder Gott anerkannte, so nutzt man heute/gebraucht man heute die Staatsgewalt einfach zum eigenen Vorteil, noch schlimmer: Parteien wettbewerben um die Staatsgewalt und ihren größtmöglichen Gebrauch/Mißbrauch.
14) Stefan Blankertz: Kritische Einführung in die Ökonomie des Sozialstaates
15) www.mises.de
16) Erlanger Fall + Übergriff in Überlingen, im übrigen wandte sich schon 2005 der Bund der Kriminalbeamten offen gegen Schulzwang, siehe Die Welt vom 04.11.2005

   
         
    Mitte August 2008 überarbeitete Version der Erstveröffentlichung vom 20.07.2008, die sie hier aufrufen können.